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Kastration bei Nager & Co.

Eine Kastration kann unter verschiedenen Umständen in Betracht gezogen werden. Viele Tierarten haben das Problem, dass sie sich untereinander nur in geschlechtlichen Kombinationen von weiblich und männlich verstehen.

Bei Männchen untereinander kommt es teilweise zu Rangkämpfen, aber genauso gut kann es passieren, dass sich eine reine Frauen-gruppe nicht miteinander verträgt. Folgende Paarbildungen sollten im Nagerbereich vermieden werden:

Chinchilla:Mehrere Männchen
Degu:Mehrere Männchen
Ratten: beide Geschlechter verstehen sich im Normalfall untereinander
Kaninchen: Mehrere Männchen
Meerschweinchen:Bei Männchen kann es zu Problemen kommen
Rennmäuse: ev. Zwist bei mehreren Weibchen

Um Nachwuchs zu verhindern, kommt oftmals bei einem Pärchen nur eine Kastration bzw. Sterilisation in Frage. Doch das ist gerade bei unseren kleinen Freunden keine leichte Sache. Gerade bei Weibchen ist der Eingriff ziemlich schwierig und oftmals mit einem sehr hohen Risiko für das Tier belastet. Aus diesem Grund gibt es eine große Anzahl Tierärzte, die sich nicht dazu bereit erklären.
Die Kastration des Männchens ist zwar auch kein leichter Eingriff, aber bedeutend einfacher und nicht so aufwendig bei der OP und der Nachsorge, wie bei einem sterilisierten Weibchen.

Ein weiterer Grund zu diesem Entschluß kann das Streitverhalten (z.B. Aggressives Verhalten um sein Revier zu verteidigen, was manchmal sehr extrem werden kann) sein. Manche Tiere entwickeln sich zu Beißern und attackieren dabei sowohl ihre Artgenossen als auch den Menschen. Wenn dem so ist, sollten Sie sich aber zuvor die Haltungsbedingungen ansehen. Aggressives Verhalten kann auch eine Verhaltensstörung sein, die z.B. bei der Haltung in zu kleinen Käfigen auftritt, und dieses Problem legt sich nicht durch den medizinischen Eingriff einer Kastration!

Aber wenn das Verhalten wirklich nur in den "Hormonen" liegt, kann eine Kastration dazu beitragen, dass das Tier ruhiger wird.
Auch das übertriebene (!) Markieren des Reviers kann ebenfalls ein durchaus berechtigter Grund zur Kastration sein.
Manchmal machen sich die oftmals hormonell bedingten Streitereien erst zu einem späteren Zeitpunkt bemerkbar, etwa mit dem erreichen der Geschlechtsreife oder auch darüber hinaus. Oftmals werden kastrierte Tiere ruhiger und hören mit dem extremen markieren auf.

Wann lasse ich die Kastration durchführen?
Am besten, wenn das Tier ausgewachsen (Organe ausgebildet), aber noch sexuell recht unerfahren ist. Denn haben die kleinen erst einmal den "Spaß an der Freud" entdeckt, kann es selbst nach der OP noch zu der Handlung des Deckakts kommen. Dabei wird zwar kein Nachwuchs mehr erzeugt, aber nichts desto trotz erinnert sich das Tier an seine vorherigen Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle.

Bei wem...
sollte ich den Eingriff vornehmen lassen? Auf jeden Fall bei einem TA mit Erfahrung. Fragen sie den Tierarzt, ob er sich mit der OP solch kleiner Wesen auskennt und vor allem fragen sie ihn, welche Narkose er einsetzt !!! Bei Kleinnagern (außer Kaninchen) ist das gesundheitliche Risiko einer Inhalationsnarkose bedeutend geringer als bei einer Injektionsnarkose. Deswegen sollten sie ihren Tierarzt notfalls darauf hinweisen bzw. einen Arzt auswählen, der dieses Verfahren einsetzt.

Der Preis..
Ist nach der Gebührenverordnung der Tierärzte relativ hoch. Die Ursache hierfür liegt vor allem in der Schwierigkeit der Durchführung. Nager sind z.B. im Vergleich zu Katzen sehr klein und deswegen viel schwerer zu operieren. Kleintiere fordern den Tierarzt deutlich mehr als unsere großen Haustiere. Und auch die Nachversorgung ist aufwendiger. Aber nichts desto trotz steht dieses Geld immer noch für unsere Tiere und dafür, dass es ihnen besser geht. Grundlos sollte eine Kastration niemals durchgeführt werden.

Der Termin
Sollte wenn möglichst so gelegt werden, dass sie sich noch ein bis zwei Tage nach der OP zu Hause sind, um sich notfalls um ihren Liebling zu kümmern. Eine Narkose ist nicht angenehm und jeder der bereits einmal operiert wurde, kennt den Zustand beim aufwachen. Als Mensch weiß man, was einen erwartet, aber die kleinen Nager nicht. Deswegen ist es wichtig, dass sie da sind und sich um ihr Tier kümmern. Es streicheln, ihm Wärme geben und auch ein Auge darauf haben, dass es nicht an die OP Narben kommt oder im schlimmsten Fall, dass sich diese Wunden entzünden.

Nach der OP
...sollten sie Tiere die in einem Käfig mit Nagereinstreu sitzen nicht wieder einfach hinein setzen. Die Späne könnte sich an die Wunden setzen und somit zu Entzündungen führen. Am besten legen sie für ein paar Tage eine alte Decke (fusselfrei) oder Handtücher (glatte, die nicht scheuern) anstelle des Kleintierstreus in den Käfig. Möglich sind auch Papier, Papierhandtücher und Küchenrollenpapier.
Abgesehen davon sollten sie das operierte Tier eine Zeit lang alleine sitzen lassen, also in einem separaten Käfig. So kommen die anderen Tiere nicht in Versuchung die Wunde näher zu inspizieren oder beim Toben zufällig heftiger dagegen zu stoßen und die Wunde kann besser verheilen. Und auch der Wunsch den Deckakt zu wiederholen kann so unterbunden werden (Verletzungsrisiko).

Schwierigkeiten
In einigen Fällen kann es dazu kommen, dass die Tiere die Naht anfressen, was aber recht selten ist. Sollte dies vorkommen, suchen sie ihren Tierarzt auf und lassen sie die Wunde fachmännisch neu versorgen. Von ihm werden sie auch erfahren, welche Möglichkeiten bei ihrem Nager in Betracht kommen um wiederholtes aufreißen zu verhindern (z.B. Drahtnähte).
Sollte eine medizinische Nachversorgung ihrerseits notwendig sein - z.B. die Zufütterung von Medikamenten um eine Entzündung zu verhindern - wird ihr Tierarzt ihnen die entsprechenden Medikamente mit genauer Dosierungsanleitung mitgeben.
Nichts desto trotz kann es durch unterschiedliche Einflüsse dazu kommen, dass sich die Wunde entzündet. Bemerken sie stärkere Hautrötungen, angeschwollene oder hart gewordene Stellen, dann suchen sie am besten sofort ihren Tierarzt auf. Es kann durchaus vorkommen, das sich Eiter IN der Wunde sammelt und sie fachmännisch geöffnet und gesäubert werden muß.
Treten Probleme auf, dann zögern sie bitte nicht mit der Hoffnung, dass sich die Sache von alleine erledigt und setzen sie auch keine Medikamente ohne ärztliche Zustimmung ein. Die kleinste Überdosierung kann bei den winzigen Nagern fürchterliche Folgen haben und so kann das gut gemeinte bitterböse enden. Nur sehr erfahrene (Hobby)züchter wissen, wann bei kleineren Problemen welches Medikament einzusetzen ist.

Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von Heike Brzezina Nagetiere-online

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