Papageien erlangen als Haustiere immer mehr Bedeutung und erfreuen sich großer Beliebtheit. Dabei reichen die Angebote in Zoofachgeschäften und bei Züchtern von kleineren Vertretern wie etwa Wellen- oder Nymphensittichen bis zu den "Großen", z.B. Graupapageien, Kakadus oder Aras. | 
| Papageien sind meiner Meinung nach nicht als domestiziert anzusehen, ein Umgang mit Graupapagei & Co. gestaltet sich daher unter Umständen wesentlich schwieriger als mit z.B. Hunden. Ihre "Sprache" wird oft missverstanden, Warnsignale wie Selbstverstümmelung (Rupfen, Kannibalismus) und stundenlanges Schreien oder Aggressionen gegenüber dem Menschen werden zu lange ignoriert, Einzelhaltung und kommerzielle Handaufzucht tun ihr übriges. | | Gerade die etwas "gewöhnlicheren" Papageien landen allzu oft als "Geschenke" oder "Mitbringsel" bei völlig überraschten Verwandten/Freunden, Kindern wird bedenkenlos der Wunsch nach einem "kleinen, zahmen Freund" in Form eines Wellensittichs erfüllt und der Graupapagei soll so manchem einsamen Menschen das Alleinsein "versüßen". Die wenigsten Menschen denken dabei VORHER an die Konsequenzen oder informieren sich VOR der Anschaffung über die Bedürfnisse der neuen Mitbewohner. Nicht umsonst steigt in den letzten Jahren die Anzahl der neu errichteten Papageien-Gnadenhöfe und sehen sich die Tierheime mit einer wahren Flut an Wellen- und Nymphensittichen konfrontiert. Dass es in Deutschland inzwischen sogar freilebende Halsbandsittichkolonien und Amazonenverbände gibt, spricht für sich (oder glauben Sie wirklich, dass diese Tiere alle zufällig entflogen sind???). | 
| Neben der Anschaffung von Haustieren trägt der Besitzer eine immense Verantwortung den Tieren gegenüber im Hinblick auf eine ausreichend große Unterkunft, regelmäßige Fütterung und Säuberung der Unterkunft. Wohin kommen die Tiere, wenn der Urlaub oder ein Krankenhausaufenthalt ansteht? Ist die Bereitschaft zur Akzeptanz von Einschränkungen und/oder Beeinträchtigungen durch die Vögel vorhanden (z.B. Gewährung von täglichem Freiflug, geschlossene Fenster und Türen während des Freiflugs auch im Hochsommer, Dreck in der Wohnung, angeknabberte Tapeten, Möbel oder Bücher, ...)? Besonders Kakadus tun sich oft und gerne an Holzmöbeln gütlich, ein Schwarm Wellen- oder Nymphensittiche "enttapeziert" je nach Lust und Laune innerhalb von einigen Stunden große Flächen der Zimmerwand (eigene Erfahrung!) und Graupapageien probieren mal hier und da ein herumstehendes Pflänzchen (und was davon noch übrig bleibt, ist nicht weiter erwähnenswert). Sind Sie wirklich bereit, dies auf sich zu nehmen? Und das nicht nur einen Monat oder ein Jahr, sondern vielleicht 10 oder 15 oder bei großen Papageien sogar über 30 Jahre! | Papageien sind Schwarmtiere! Eine Einzelhaltung ist strikt abzulehnen! Auch wenn sich der Papagei gezwungenermaßen dem Menschen als "Ersatzpartner" zuwendet, wird er sich mehr über einen gleichartigen, gegengeschlechtlichen Partner freuen. Verhaltensstörungen hervorgerufen durch jahrelange Einzelhaltung (oft noch verstärkt durch eine erzwungene Handaufzucht durch die Züchter) können z.B. sein:
Die sog. "Schreier" Stundenlanges, lautes Schreien aufgrund z.B. verminderter Zuwendung oder Eifersucht (wenn sich z.B. menschlicher Nachwuchs einstellt oder der Job auf einmal mehr Zeit in Anspruch nimmt) soll auf das eigene Leiden aufmerksam machen. Die sog. "Rupfer" Diese Vögel leiden im Stillen, reißen sich meist über Jahre hinweg die Federn aus, bis sie schließlich VÖLLIG kahl sein können. Insbesondere bei Kakadus kann sogar eine Selbstverstümmelung in Form von Kannibalismus beobachtet werden. Die Vögel beißen sich selbst große Wunden im Brust- und Flügelbereich. Die sog. "Beißer" Aggressionen gegenüber Menschen oder anderen Tieren zeugen von einem völlig gestörten Sozialverhalten der Papageien. Oft werden sogar die zuvor heiß "geliebten" Bezugspersonen angegriffen. Bei großen Papageien sind dann blutige Fleischwunden keine Seltenheit. Die Probleme eskalieren meist beim Eintritt der Vögel in die Geschlechtsreife. Denn der Instinkt und der "Wunsch" nach einem Partner brechen dann durch, bringen den Vogel völlig aus dem Konzept. Man könnte sagen: Seine Hormone spielen verrückt. | 
| Und diese Beobachtungen können nicht nur bei großen Papageien gemacht werden. Mir ist ein Fall eines Katharinasittichs bekannt (Wellensittichgröße), welcher sich rupfte, ein anderer griff die menschlichen Familienmitglieder an. Diesen beiden Kerlchen konnte glücklicherweise geholfen werden, sie sind nun glücklich vergesellschaftet. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, keine Frage. Besonders wenn ein Papagei vielleicht schon 20 oder 30 Jahre alleine lebte, gestaltet sich eine Vergesellschaftung oft schwer. Ein Grund mehr, es erst gar nicht soweit kommen zu lassen! | Papageien brauchen Platz! Papageien sind ja nun einmal Vögel, die in Freiheit täglich mehrere Kilometer fliegend zurücklegen. Die im Handel für z.B. 2 Wellensittiche angebotenen Käfige sind EIN WITZ. Leider ist den Tieren, die in so einer Behausung "leben" müssen, nicht zum Lachen zumute. Ist ausreichend Freiflug für die Tiere gesichert, ist eine "etwas bescheidenere Unterkunft" eventuell akzeptabel. Aber alles unter einem Meter Kantenlänge ist für Papageien eine Zumutung. Ein Paar Graupapageien benötigt meiner Meinung nach zusätzlich zum täglichen Freiflug eine Voliere mit den Mindestmaßen von 2 x 2 x 1 m (Länge x Höhe x Breite). | 
| Die Ernährung! Papageien haben je nach Herkunftsland besondere Ansprüche an die Nahrung. Bei allen ist eines jedoch gleich: Mit dem Anbieten von Hirse und Sonnenblumenkernen ist es nicht getan. Für Papageien gibt es im Handel gute Futtermischungen, die eine ausgewogene Ernährung schon etwas erleichtern. Doch ebenso wichtig ist die Gabe von ausreichend Obst und Gemüse. Meine Katharinasittiche z.B. werden als Vögel des südamerikanischen Regenwaldes mit einem Anteil von etwa 50% Obst und Gemüse ernährt. Die sich ebenfalls in der Voliere befindenden Wellensittiche dagegen können mit soviel "gesundem Kram" nichts anfangen. Als Tiere der trockenen Gegenden Australiens kommen sie in freier Wildbahn nur selten in den Genuss frischen Obstes, und bevorzugen daher hier auch eher die Körnermischungen. Mir sind aber auch Graupapageien- und Arahalter bekannt, die ihre Tiere inzwischen komplett "trockenfutterfrei" ernähren. Selbst die Sämereien werden dort im gekeimten oder gequollenen Zustand gereicht, vermischt mit viel Obst und Gemüse. Erdnüsse als scheinbarer "absoluter Renner" bei Papageien (oder zumindest bei ihren Haltern) bergen neben dem hohen Fettgehalt und der bei übermäßigem Angebot einseitigen Ernährung eine weitere Gefahr: Schimmelpilze und deren Sporen! Viel zu viele Papageien sterben jedes Jahr an der tückischen Krankheit "Aspergillose" (in der Lunge des Vogels breitet sich oft schleichend ein Schimmelpilz aus, welcher durch Aussonderung von Toxinen zum Tod des betroffenen Organismus führen kann), hervorgerufen durch mangelnde Hygiene, verdorbenes Futter und eben Nüsse, die allzu oft nicht unerheblich mit den Sporen dieses Pilzes kontaminiert sind. | Die Finanzierung! Die Anschaffung des Käfigs, des Zubehörs und der Tiere ist nach meiner Erfahrung die geringste Investition. Über die Folgekosten sollte sich jeder zukünftige Papageienhalter im Klaren sein: Futter, Ersatzteile für die Unterkunft, Bodenstreu, Tierarztsprechstunden, ... kosten in den Jahren, in denen die Papageien bei Ihnen leben, JEDE MENGE GELD! | 
| Mitmenschen! Sind alle, wirklich ALLE, Ihre Mitmenschen mit der Anschaffung der Tiere einverstanden? Wie sieht es mit Nachbarn und Vermietern aus. Papageien können Krach machen, und das nicht zu knapp. Leider kommt es immer wieder vor, dass sich Menschen von ihren Tieren trennen müssen, da die Nachbarn sich wegen Lärmbelästigung beschweren. Leidet auch niemand aus Ihrer Familie unter einer Federstauballergie? Testen lassen! Allergien stehen als Abgabegründe ganz weit oben auf der Liste. | Diese Hinweise sollen nur als Anhaltspunkte dienen. Natürlich kann man beim Zusammenleben mit Papageien auch eine Menge positive Situationen erleben. Wenn z.B. ein Papagei das erste Mal freiwillig ein Stück Obst aus der Hand nimmt, wenn man ein Pärchen bei der zärtlichen Gefiederpflege beobachtet oder wenn sich die Papageien freiwillig dem Menschen und Futtergeber nähern. Der Aufbau einer Vertrauensbasis zwischen Mensch und Tier bedarf vielleicht viel Zeit, erleichtert jedoch das Zusammenleben erheblich. Wichtig ist nur, dass dieses Vertrauen freiwillig geschenkt wird. Handaufzuchten (ab dem Ei) und Einzelvögel kennen nichts anderes, sie hatten/haben nie ein Wahl. Die Vögel sind auf Ihre Menschen, auf deren gesunden Menschenverstand, angewiesen. Enttäuschen Sie Ihre Papageien nicht. Sie werden es Ihnen danken! | © Sigrid März |
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