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Aufzucht von Singvögeln

Die Aufzucht eines Jungvogels ist zeitaufwendig und dauert meist 4-5 Wochen vom nackten Vogerl bis zum flüggen Jungtier.

Man teilt die Aufzucht in 14 -18 Tage Nestlingszeit und 14 - 20 Tage Ästlingszeit. Das Ende der Nestlingszeit ist daran zu erkennen, dass der Jungvogel anfängt auf den Nestrand zu hüpfen.In der Ästlingszeit verlassen die Jungen das Nest und beginnen ihre ersten Flugversuche. Sobald die Vögel 1 Woche selbstständig fressen, können sie in die Freiheit entlassen werden.

1) Nackte Vögel
Finden Sie ein Vogerl ohne Federbewuchs, so ist es wahrscheinlich ohne die fehlende Nestwärme unterkühlt. Bestrahlen Sie es mit einer Wärmelampe, bis es seine normale Körpertemperatur erreicht hat. Für alle, die keine Wärmelampe haben, gibt es einen einfachen Behelf: Setzen Sie den Vodel in ein mit Küchenrolle ausgelegtes Körberl. Darüber hängen Sie eine milchige Glühbirne mit 15 Watt. Bedecken Sie den Vogel mit einer Küchenrolle. Achten Sie in jedem Fall darauf, dass der Abstand der Wärmelampe zum Tier nicht zu nah ist !!! Es darf nicht zu heiß werden. Der Abstand zur Wärmequelle ist für das Vogerl dann optimal, wenn es Ihre darunter gehaltene Hand als wohlig warm empfindet. 
Überwachen Sie den Vogel während dieser Aufwärmphase, um eine Überhitzung zu vermeiden. Es dauert meist nur kurze Zeit bis der Vogel wieder seine normale Körpertemperatur erreicht hat.Sperrt der Vogel den Schnabel auf und hechelt nach Luft, so ist ihm zu heiß.Fühlen Sie die Hauttemperatur des Vogels. Ein Vogel hat eine Körpertemperatur von 38°C.  Er muss sich mindestens handwarm bzw. ein bisserl wärmer anfühlen. Setzen Sie das Tier dann in ein Nest aus Klopapier Küchenrolle (siehe Bildanleitung). Um den Vogel warm zu halten und vor Zugluft zu schützen bedecken Sie ihn mit einem Tuch. Setzen Sie das Tier niemals in die pralle Sonne - ein Hitzeschlag wäre dann wahrscheinlich.
2) Das Nest
Nehmen Sie das Naturnest nicht mit, es ist manchmal voll von Ungeziefer und kann auch nicht gut vom Vogelkot gereinigt werden !
 Basteln Sie aus Klopapier und Küchenrolle ein kleines Nesterl (siehe Bildanleitung), das Sie in einen Plastikbehälter (am besten löchrig - wegen Luftzirkulation) legen. Stellen Sie diesen in einen Vogelkäfig.(Im Tierheim gegen Einsatz auszuleihen, solange der Vorrat reicht.
Achten Sie immer darauf, dass es das Vogerl warm und trocken hat und genügend Licht und Luft bekommt! Setzen Sie das Tier nie der direkten Sonnenbestrahlung aus. Achten Sie darauf, das Nest immer kotfrei zu halten ! Klopapier ist ideal-sobald das Vogerl Kot lässt, entfernen Sie die schmutzige Lage und ersetzen Sie sie durch eine Frische.

4) Wasser
Man darf nie vergessen den Vögeln Wasser anzubieten, sonst
verdursten sie. Stellen Sie eine flache Schale mit ca. 1/ 16 l Wasser in den
Käfig, und fügen Sie 2 Tropfen Multibionta Vitamintropfen oder Pecutrin
hinzu. Jeden Tag frisch herrichten. Die größeren Tiere werden sich selbsttätig am Wasser bedienen, was jedoch die kleineren Vögel Nestlingszeit) noch nicht können. Daher tauchen Sie jedes Futterklümpchen zuerst mit der Pinzette in das vitaminangereicherte Wasser, bevor Sie es dem Vogel in den Schnabel schieben..

5) Die Fütterungszeit
Begonnen wird mit der Fütterung um 6h - 7h früh. Alle 1,5h - 2h wird nun dem kleinen Vogerl Futter angeboten. Um spätestens 20h - 21h erfolgt schließlich die letzte Fütterung. Kann einmal das Intervall zwischen den Fütterungszeiten nicht eingehalten werden, so verhungert der Vogel deswegen nicht. (Es sollte aber die Ausnahme sein). Futterrezept

6) Die Fütterungstechnik
Grundregel: Lassen Sie die Vögel zum Füttern im Nest sitzen.
Formen Sie ein Futterklümpchen, mit der Pinzette aufnehmen, ins Wasser tauchen (nie darauf vergessen !) und nun in den Schnabel schieben.

Bildanleitung:

1)Organisieren Sie einen Plastikbehälter. Sollte löchrig sein, damit eine Luftzirkulation stattfinden kann.

Insektenfressern braucht man meist nur die Pinzette mit Futter hinzuhalten - Die Vögel picken gierig danach. Spatzen sind oft ein bisserl problematisch, weil sie den Schnabel einfach nicht aufmachen wollen.Bei unfreiwilligen Essern hilft nur eines - Vogel in der Hand mit Futter stopfen. Und so wird's gemacht:

1) Rechtshänder nimmt Vogel in die linke Hand
2)Schnabel vorsichtig mit dem rechten Daumennagel SEITLICH öffnen (niemals an der Schnabelspitze !!!).
3) Futter mit dem rechten Mittelfinger sanft weit nach hinten in den Schnabel stopfen. Wenn Sie anfangs noch ein bisserl ungeübt sind, so lassen Sie eine zweite Person das Stopfen übernehmen, während Sie nur den Schnabel mit dem Nagel öffnen.
4) Manchmal ist es notwendig den Schnabel zuzuhalten , damit das Futter nicht wieder herausfällt.Achten Sie darauf, dass die Futterbrocken nicht allzu groß und ausreichend weich sind. Füttern Sie das Tier solange es den Schnabel aufmacht bzw. das Futter runterschluckt. Vögel überfressen sich nicht und wissen selbst am Besten, wieviel sie brauchen.

2) In den Behälter legen Sie nun ein paar Lagen einer Küchenrolle.

3) Wickeln Sie Klopapier locker um die Hand. 5 - 8 Wicklungen. Das Klopapier kann sich bei den Wicklungen ruhig etwas verdrehen.

4) Legen Sie diesen " Nestrand" nun in den mit Küchenrolle ausgelegten Plastikbehälter.

5) Nehmen Sie 7 - 9 Blatt einer Klopapierrolle, und legen Sie  diese als Nestboden in das Nest. Diese Lagen bei Kot lassen immer erneuern.

6) In so einem Nest kann man sich nur noch wohl fühlen. Es ist zweckmäßig und pflegeleicht.  Das ist das Bild mit den Schwalben drin

7) Nur nacktes Vogerl wird mit Tuch bedeckt

7) Fliegen lernen
Fliegen lernen alle Vögel instinktiv von selbst. Sie brauchen weder Sie noch
einen anderen Vogel, der es ihnen beibringt. Die meisten Vögel lernen das
Fliegen in einem großen Käfig ohne Probleme (Voliere besser).
Schwalben müssen jedoch in einer großen Voliere oder einem Raum (Badezimmer) fliegen lernen, da sie sonst das Landen nicht lernen.
Auf jeden Fall sollten Sie den Jungvogel, sobald es selber zu fressen beginnt, ins Tierheim bringen. Wir besitzen eine sehr große, neue Voliere zu diesem Zweck (cirka 16 m2 groß). Die Voliere hat Naturboden, sodass die Vögel auch schon Würmer aus dem Boden picken lernen.
W i c h t i g : Vogel noch nicht auslassen wenn er fliegt, sondern erst, wenn er 1 Woche selbstständig frisst !

8) Kinder
Vögel sind keine Streicheltiere. Durch das Streicheln wird das Fett vom Gefieder abgestreift. Der junge Vogel kommt mit der Nachproduktion von Fett nicht nach und wird bei seinen Flügen im Regen später wie ein Stein vom Himmel fallen!

Buchtipp:
Ingeborg Polaschek
"Elternlose Jungvögel"
Erste Hilfe -  Aufzucht - Auswilderung
Falken - Verlag

9) Entlassung in die Freiheit
Wenn Ihr Vogerl 1 Woche lang selbständig frisst, haben Sie es geschafft. Es kann nun für sich selbst sorgen und in die Freiheit entlassen werden. Entlassen Sie das Vogerl in einem Garten oder einem Fleckerl Natur, wo möglichst wenig Katzen und andere Räuber sind.
W i c h t i g : Vogel nur dann in Freiheit entlassen, wenn Schönwetterperiode bevorsteht.
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