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Zirkustiere

Tierquälerei oder doch nicht? Dieser Artikel gibt Aufschluss über die Tierhaltung und -dressur in Zirkussen.

Vor allem Kinder freuen sich, wenn endlich wieder einmal ein Zirkus in die Stadt kommt. Es gibt tolle Akrobaten und Clowns und natürliche spannende Tiernummern. Doch wie geht es den Tieren in den Zirkussen. Wo werden sie untergebraucht, wie werden sie behandelt? Es kann argumentiert werden, dass der Zirkus die Möglichkeit bietet, Wildtiere zu sehen. Doch diese befinden sich in einer völligen atypischen Umgebung und können ihr natürliches Verhalten kaum ausleben. Und natürlich stellt sich die Frage, inwieweit Dressurnummern dem natürlichen Verhalten der Tiere entsprechen.

Natürlich gibt es große Unterschiede zwischen den Zirkussen. Der Cirque du Soleil beispielsweise kommt ganz ohne Tiernummern aus und ist seit Jahren sehr erfolgreich. Wieder andere Zirkusse haben Raubtiernummern mit Wildtieren gänzlich aus dem Programm genommen. In manchen Zirkussen leben dennoch oft noch Wildtiere wie Löwen und Tiger in einer völlig artfremden Umgebung. Im folgenden soll kurz skizziert werden, unter welchen Bedingungen die Tiere zu leiden haben.

Isolation und mangelnde Bewegungsmöglichkeiten

Zirkustiere verbringen ihr Dasein völlig isoliert in Käfigen. Oftmals können sie (z.B. bei Ortswechseln) tagelang ihre Käfige nicht verlassen. Die Außengehege sind oft winzig und die Bewegungsmöglichkeiten sind gering. In der freien Natur legen z.B. Tiger auf ihren Jagden bis zu 30 Kilometer in einer Nacht zurück.Tiere werden nur zu Übungs- bzw. Aufführungszwecken „genutzt“. Auf die natürlichen Bedürfnisse wie Klettern, Laufen, Baden kann kaum Rücksicht genommen werden – die Kunststücke, die geprobt werden, sind immer gleich und bieten kaum Abwechslung.

Dazu kommen  lange Transportwege und Wartezeiten sowie häufige Ortswechsel und die ständige Nähe von Besuchern. Da der Zirkus oft tagelang unterwegs ist, müssen die Käfige vor allem leicht sauber zu halten und platzsparend zu transportieren sein. Auf die Bedürfnisse der Tiere kann oft – auch aus Kostengründen – nicht Rücksicht genommen werden.Während des Winters werden die Tiere in Verschlägen, Viehställen oder gar in LKWs untergebracht. Zudem leiden manche Tiere unter den klimatischen Bedingungen: Löwen leiden oft unter dem österreichischen Klima (Kälte!), Bären z.B. ertragen die sommerliche Hitze nur schwer.


Dressur 
Dressur bedeutet generell Unterwerfung gegenüber dem Menschen. Oft werden mit gewaltsamen Mitteln und physischen Misshandlungen unnatürliche Bewegungsabläufe und Kunststücke eingeübt. Die meisten Kunststücke beinhalten völlig artuntypische Bewegungsabläufe; diese können auf Dauer Schäden am Knochenbau der Tiere hervorrufen. Zur Dressur werden Methoden wie Futterentzug, Prügel und Stromschläge eingesetzt. Der Sprung des Tigers durch einen brennenden Reifen ist ebenso unnatürlich wie ein Elefant, der Kopfstand macht.


Sozialkontakte

Tiere, die von Natur aus Einzelgänger sind, werden oft mit anderen Artgenossen gemeinsam in Käfige gesperrt. Wiederum andere werden völlig isoliert gehalten, obwohl sie für ihr Wohlbefinden unbedingt den Kontakt mit anderen brauchen. Die Tiere haben oft keinerlei Rückzugsmöglichkeiten.


Verhaltensstörungen
 
Die Tiere können durch die Bedingungen aggressiv werden gegen andere oder sie verstümmeln sich selbst.
psychische und physische Störungen (z.B. stereotype Bewegungsabläufe)
Die Zirkusangestellten sind zudem meist keine ausgebildeten Tierpfleger und können die Tiere bei Verletzungen nicht artgerecht behandeln. Offizielle Kontrollen durch Amtstierärzte sind selten. Qualifizierte Tierärzte, die sich mit exotischen Tieren auskennen, sind nicht immer vorhanden.Tierkinder übernehmen oft die Verhaltensstörungen der Eltern. Tiere, die im Zirkus geboren sind und dort aufwachsen, haben nie gelernt, sich Nahrung zu beschaffen oder Fluchtverhalten zu erlernen.


Gnadenbrot

Was passiert mit Tieren, die „zu alt“ oder zu krank für den Zirkus sind? Der Zirkus kann es sich oft nicht leisten, für diese Tiere zu sorgen. Somit werden sie entweder eingeschläfert oder verkauft.


Gesetzeslage 
Ab 2005 gibt es im Bundesland Salzburg ein Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen (Quelle: Ö. Tierschutzverein). In Österreich wurde 2001 eine Vereinbarung zwischen den Bundesländern getroffen, nach der Zirkussen nur noch das Mitführen weniger ausgewählter Tierarten gestattet ist. Nach einer Übergangsfrist ist die Haltung z.B. .von Bären, Primaten, Elefanten, Flusspferden und Robben verboten.

Quellen: Vier Pfoten, Peta, Tierschutzverein

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